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Die FernhändlerDie Kaufleute waren genossenschaftlich organisiert, d.h.
im Wik in der Gilde, auf der Fahrt in der Hanse zusammengeschlossen. Die
mittelalterlichen Kaufleute schlossen sich nicht nach dem Gegenstand ihres
Handels, sondern nach dem Zielort zu Hansen zusammen. Den Vorstand der Gilde
bildeten die gewählten A(e)ldermannen oder Seniores. In ihren Händen
lag auch das Gildengericht, das sich im wesentlichen auf eine
Sühnegerichtsbarkeit für die genossenschaftlichen Pflichten ihrer
Mitglieder beschränkte.. Die Gildengenossen schuldeten einander
Hilfe bei allen Gefahren der Reise, bei Schiffbruch, Krankheit, Gefangenschaft,
bei finanzieller Not und um die Versorgung der Hinterbliebenen. Diese
Schwurverbände waren somit auch Kampfverbände, die von ihrem Recht des
Waffentragens häufig Gebrauch machen mussten. Die Gilde verfolgte auch
politische Ziele, zum einen sorgten sie für die politische Sonderstellung
der Stadt, zum anderen wollten sie Kosten einsparen. So bezahlten die Gilden
viel Geld an den König oder den lokalen Machthaber, um bestimmte Gesetze
und Privilegien zu erhalten (siehe Gesetze). Als einer der größten
Erfolge der Fernhändlergilden, galt das sog. Kaufmannsrecht, welches
besagte, dass ein Angeklagter Händler vor Gericht nur einen Eid ableisten
musste, um freigesprochen zu werden. Denn davor war es üblich, dass der
Richter, wenn Kaufvertrag und Zeugen kein Urteil zuließen, er den
Schiedsspruch einer höheren Instanz überließ, und das war kein
anderer als Gott. Das hieß dann, dass sich Kläger und Beklagter ein
Duell auf Leben oder Tod liefern mussten. Da aber die Händler oft angeklagt
wurden, mussten sie viel Geld für Bestechungen, Schlichtungen oder
Stellvertreter bezahlen, die einen Händler ruinieren konnten. Kosten wurden
eingespart, da eine Karawane aus Frachtwagen auch aus Gründen der
Sicherheit günstiger war, als ein einzelner. Ein Frachtwagen konnte 2t
laden und benötigte 2 Personen zur Führung. Bei “normalen”
Straßenverhältnissen und gutem Wetter konnte ein Frachtwagen an einem
Tag 40 km zurücklegen. Die Beförderung von 1t also ½ Last Ware
kostete 11g Silber je km. Eine Kogge konnte 150-200t also 75-100 Last Ware
transportieren, sie benötigte 25 Mann Besatzung und konnte bei guten
Witterungsverhältnissen 120 km am Tag zurücklegen, doch war bei
Untergang oder Piraterie der Schaden um so größer. Auf einer Kogge
kostete ½ Last Ware 1g Silber je km, wenn die Kogge auf dem Fluß
fuhr und “nur” 1g Silber je km kosteten 2 ½ Last Waren auf dem
Seeweg. Die Beförderung über See war also deutlich günstiger,
aber auch gefährlicher, außerdem war es schwer, den Lastraum der
Kogge voll auszunützen, da ein Kaufmann häufig nur das Kapital hatte,
um 9 Sack (1 ½ t = ¾ Last) einer begehrten Ware zu kaufen. Dies wird
an dem Wollhandel mit England deutlich. Englische Wolle galt als besonders fein
und war deshalb sehr teuer. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts betrug die
Exportmenge von englischer Wolle 750 Sack. Ein Händler konnte sich 9 Sack,
einige wenige Großhändler 91 Sack leisten. 1 Sack Wolle kostete ca.
1,7 kg (!) Silber, also 0, 17 kg Gold. Im 14. Jahrhundert wurden schon 30000
Sack Wolle exportiert, das waren 1/12 des Schiffsraums, der der Hanse zur
Verfügung stand. Der gestiegene Bedarf an Weideflächen führte
dazu, dass England Getreide importieren mußte, da nicht mehr genug
Ackerfläche vorhanden war; also ein doppeltes Geschäft für die
Fernhandelskaufleute. Bei den damaligen Preisen ist schnell verständlich,
dass die Händler sich in Gilden zusammenschließen mußten, um
das Risiko und den Frachtraum zu teilen. Krieg und Überfälle waren
für die Kaufleute eine Existenzbedrohung, so dass sie diplomatische
Beziehungen zu anderen Königen und Landesfürsten pflegten und
Expeditionen ausrüsteten, um Piraten oder Räuber zu jagen. Besonders
mit dem Mittel des Handelsboykott stärkten sie ihre Macht, da die
Städte zunehmend immer abhängiger von den Fernhandelskaufleuten
wurden.
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