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Zu wahrhaft großem Reichtum konnte allein der
Kaufmann, insbesondere der Großhändler und Fernhändler gelangen,
sofern er Mut zum Risiko besaß, sich durch geistige Beweglichkeit und ein
Gespür für Märkte auszeichnete. Der Handwerksmeister als
selbständiger Unternehmer mochte sich ein auskömmliches Vermögen
schaffen, wobei Goldschmiede und Kürschner wohlhabender werden konnten als
Weber und Schuster. Reich konnte kein Handwerker werden, da das Mittelalter eine
fabrikmäßige Großproduktion mit einer Vielzahl von
Beschäftigten nicht kannte. Die Betriebsgröße von
Handwerksbetrieben und ihre Zahl regelten die Zünfte und der Rat der Stadt,
welche versuchten die Nachfragen nicht ganz zu befriedigen, um den Preis nicht
zu verderben. Der Monopolcharakter der Zünfte nützte zwar den
Herstellern, ging aber zu Lasten des Verbrauchers. Es fehlte ein freier Markt
und innerstädtische Konkurrenz.
Im 13. Jahrhundert war die Handelsstadt längst
autonom geworden, sie wurde teilweise sogar schon Gläubiger für den
Landesfürsten, der sie früher schützte. Der soziale Abstand
zwischen Kaufmann und Handwerker wuchs. An die Stelle strenger Dienstordnungen
trat das freie Spiel der Risiken, das durch die Handelsgesellschaften abgefangen
wurde. Die Schwankungen von Politik und Wirtschaft trafen zuerst den
hochempfindlichen Fernhandel. So kam es um 1300 zu einem Rückgang der
Bedeutung der Champagne-Messen, weil die Champagne an die französische
Krone fiel und König Philipp IV mit seinen Kriegen zu Unterbrechungen des
Verkehrs von Flandern in die Champagne führte. Aber auch neue Formen des
Handels konnten ein altes, einst erfolgreiches System zur Bedeutungslosigkeit
herabsinken lassen, mitsamt den Händlern und der Region, die mit dem alten
System ihre Gewinne erzielten. In der Zeit um 1300 hielten die Kaufleute auf,
selbst die Messen zu bereisen, man überließ die Angelegenheit den
Spediteuren und regelte alles schriftlich vom Heimatort aus. Die Italiener
bestellten ihre Vertreter in die großen Textilstädte Flanderns und
Brabants selbst und benutzten den Seeweg nach Westeuropa, so dass Ostfrankreich
seine Stellung als Durchgangsland verlor. Eine wirtschaftliche Katastrophe
für die Region, die dann auch das Handwerk und die Bauern empfindlich traf.
Dürreperioden, Kriege und Seuchen sorgten in den
jeweiligen Regionen für das Erliegen der Wirtschaft und zu einem Steigen
der Preise. Doch es reichte oft schon der Umstand aus, dass ein neuer Zoll
erhoben wurde oder anderswo eine bessere Handelsstraße zur Verfügung
stand, der einen Markt mitsamt seiner Stadt und den umliegenden Gebieten ins
Elend und die wirtschaftliche Bedeutungslosigkeit werfen
konnte.
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