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Märkte im Mittelalter

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Als die Städte größer wurden, bauten die Ratsherren neben dem Hauptmarkt, Fachmärkte (Gänsemarkt (Geflügel), Pferdemarkt (Weidevieh) Hopfenmarkt, Großneumarkt, Zeughausmarkt, Alter Fischmarkt), an denen die Spezialitäten und der tägliche Bedarf der Region und des ansässigem Handwerks feilgeboten wurden, sowie die Rohprodukte (Hopfen für Hamburger Bier). An den Fachmärkten bauten die Gilden auch ihre Lager- und Kontorhäuser. Die Fachmärkte waren anders als der Hauptmarkt meistens täglich geöffnet, statt nur wöchentlich. Östlich der Elbe wurden die späten Stadtgründungen planmäßig vorangetrieben und die Märkte als “Stadtteilzentren” angelegt. Mit voranschreitendem Wachstum der Städte wurde auch die Arbeitsteilung immer stärker, so dass auch die Bedeutung der Märkte als kommunikatives Zentrum, aber auch um die täglich benötigten Lebensmittel zu besorgen, wuchs und lebensnotwendig wurde.
Die meisten Marktsiedlungen des frühen Mittelalters sind später Städte, im mittelalterlichen Sinn, geworden. Ausnahmen waren lediglich einige Küstenhandelsplätze, z.B. Dorestad (Westfriesland), das im 9. Jahrhundert sehr große Bedeutung besaß und sie später gänzlich verlor. Die Hauptursache hierfür liegt darin, dass bei diesen Küstenhandelsplätzen die arbeitsteilige Verbindung mit dem Hinterland fehlte. Durchgangshandel und Jahrmärkte allein genügten nicht, um die Existenz einer größeren Bevölkerung zu sichern und so beständige Ansiedlungen entstehen zu lassen. Entscheidend für die dauerhafte Bedeutung eines Ortes und seine Entwicklung zur Stadt waren ein tiefes Hinterland und ein entsprechender Nahmarktverkehr, also die gesellschaftliche Arbeitsteilung und der einfachen Warenproduktion.


Wirtschaft

Die wichtigste Handelsstätte für den Fernhandel waren die sog. Messen. Die mittelalterlichen Messen wiesen ein umfassendes Angebot von Waren auf und zugleich ein erhebliches Geldgeschäft. Englische Messen, die von französischen, niederländischen und norddeutschen Fernhandelskaufleuten besucht wurden, sorgten für den Absatz der englischen Wolle und des feinen Tuches nach dem europäischen Festland und die Versorgung der Oberschicht mit den Erzeugnissen des Orients und Westeuropas.
In der Champange, eine sehr bedeutende Region für den Messenhandel, gab es vier Messestädte. Dort ließen sechs mehrere Wochen dauernde Messen einen fast ununterbrochenen Markt entstehen, auf dem die Güter des Mittelmeerbereichs, bzw. des Orients mit denen Nordwesteuropas umgeschlagen wurden. Die Messen begannen im Januar in Lagny s. Marne, an Mittfasten kam Bar s. Aube, im Mai die Oberstadt Provins an die Reihe, im Juli bis August Troyes, im September die Unterstadt Provins, im Oktober fand die “kalte Messe” in Troyes statt. Der Verkauf erfolgte in bestimmter Reihenfolge der Handelsgüter: Stoffmesse, Leder- und Pelzmesse, Messe der nach Gewicht verkauften Waren, wie z.B. Gewürze, dann Regelung der geschäftlichen Transaktionen. Die Bezahlung wurde in Geld vorgenommen oder auf die nächste Messe verschoben oder durch den Wechsel. Zu dem Warengeschäft kam so die Funktion der Messen als Abrechnungs- und Zahlungsplatz dazu, zum ersten mal ein wesentliches internationales Geldgeschäft, das hauptsächlich die Italiener betrieben.

Die städtische Wirtschaft unterschied sich von der mehr oder weniger autarken Hauswirtschaft durch mehr als nur die Abhängigkeit vom agrarischen Umland im Hinblick auf die Nahrungsmittelproduktion. In der Stadt konzentrierten sich die Gewerbe, und hier wiederum nach einzelnen Sparten auf bestimmte Stadtteile oder sogar Gewerbegassen, deren Namen noch heute an ihre Ursprünge erinnern ( Reeperbahn, Große Bäckerstr., Rademachergang,.). Der Handwerker in der Stadt produzierte regelmäßig und geplant für den Markt, den er entweder selbst beobachtete, oder für den Händler, für den er im Verlagssystem arbeitete. Gewinne aus handwerklicher Tätigkeit, vor allem aber aus dem Handel, traten neben dem Grundbesitz als neue bewegliche Formen von Besitz und Reichtum. Die frei verfügbare Form des Kapitals ließ sich gewinnbringend einsetzen; es entstand ein Erwerbsdenken und mit ihm die neue Form der städtischen Gesellschaft, die auf Gewinn und Erwerb angelegt war.
  
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