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Märkte im Mittelalter

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Vornehmlich im Küstenbereich, aber auch im Binnenland entwickelten sich Wiken (Schleswig, Heilwig). “Wik” bedeutete ursprünglich Dorf. Die frühmittelalterlichen Wiken waren in erster Linie Handelsplätze, die dem Fernhandel dienten und zu deren bestimmendem Merkmal der Hafen wurde. Sie waren aber nicht nur bloße Umschlagplätze, sondern bestanden auch aus festen Siedlungen mit einer seßhaften , nicht ausschließlich kaufmännischen Bevölkerung, die vom König geschützt und mit Privilegien ausgestattet wurden. In den Wiken hatten die umherziehenden Kaufleute ihre Wohnsitze. Fremde Kaufleute konnten sich verproviantieren. Im Westen hießen sie “portus” (Hafen) oder auch “Emporium” . Mit dem Aufstieg der Städte, im 9. und 10. Jahrhundert entstand eine neue Wirtschaftsform, es bildete sich die Arbeitsteilung zwischen Stadt und Land heraus, die für die weitere Entwicklung der europäischen Stadtkultur von größter Bedeutung war. Durch diese Arbeitsteilung wurden die Städte wieder als Produktionsstätte interessant. Die Märkte wurden bald das pulsierende Herz einer Stadt und waren für den Reichtum, sowie die Entwicklung verantwortlich. Die Marktsiedlungen erhielten ein Marktrecht, Zollrechte und Münzstätte. Der König und die großen Grundherren, besonders die vom König dafür privilegierten Stifte und Klöster, richteten immer mehr Märkte ein, so dass das Netz der Marktorte ständig dichter wurde. Märkte waren also die Voraussetzung für eine Stadtgründung. Die Handelsplätze und Marktsiedlungen des frühen Mittelalters im ostfränkisch-deutschen Bereich fügten sich organisch in ihre Umgebung und in das damalige Handelsstraßennetz ein. Da der Zustand der Landwege damals sehr schlecht war, hatte die Schifffahrt für den Handel große Bedeutung. So ist es kein Zufall, dass im Frühmittelalter die großen Ströme, der Rhein, die Donau, die Elbe, die wichtigsten Handelsstraßen waren, und dass aus den Friesen, einem seefahrenden Stamm, auch Händler hervorgingen, die neben den Fernkaufleuten aus der Levante, Italien, Spanien zu den aktivsten Händlern jener Zeit gehörten. Aber nicht nur die großen Ströme, auch Flüsse wie Mosel, Neckar, Weser und Saale wurden als Schiffswege für Handelszwecke genutzt, und da für die Ost-West-Verbindung vom Rhein zur Elbe keine großen Wasserstraßen zur Verfügung standen, dienten auch der Main sowie die Ruhr, Diemel, Oker, und Aller der Schifffahrt. Für den Transport zu Lande standen nur die zu Zeiten Karl des Großen entstandenen Heerstraßen zur Verfügung, deren Zahl den Bedürfnissen des Handels keineswegs ausreichte. Am wichtigsten waren die Handelsstraßen von der alten Römerstadt Köln quer durch Westfalen zu dem Erzbischofssitz Bremen sowie zu dem Handelsplatz Bardowiek im unteren Elbgebiet, ferner von Köln nach Mainz, u.a. die Klöster Corvey und Gandersheim, bzw. Fulda berührend, nach dem Harzgebiet und den Umschlag- und Stapelplätzen für die Slawengebiete, vor allem Magdeburg und Erfurt. Die neuen Siedlungen oder Marktorte lagen in erster Linie an den Knotenpunkten von Handelsstraßen und an günstigen See- und Flußhäfen. Fast sämtliche Wiken und Emporien lehnten sich an befestigte Plätze, Burgen, Klöster und ehemaligen Römerstädte an. Der Grund hierfür war sicherlich auch das Schutzbedürfnis der Kaufmannssiedlungen, in erster Linie jedoch die Tatsache, dass viele Feudalsitze Sammelpunkt größerer Überschüsse und deshalb lohnender Anziehungspunkt für den Handel waren. Besondere Bedeutung kam den Sitzen geistlicher Feudalherren zu. Höhepunkte im Handelsverkehr waren die Jahrmärkte, die meist an allgemeinen (Ostern, Pfingsten) oder lokalen (St. Gallus, St. Michaelis, St. Hubertus, u.ä.) kirchlichen Feiertagen lagen und gewöhnlich mehrere Tage andauerten. Sie waren Hauptanziehungspunkte für Händler von nah und fern.
  
Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation. Vom Ende des Mittelalters bis 1806 (Broschiert)
von Barbara Stollberg-Rilinger,
Barbara Stollberg- Rilinger
Siehe auch:
Die Kaiser des Mittelalters. Von Karl dem Großen bis Maximilian I.
von Bernd Schneidmüller
Das Heilige Römische Reich deutscher Nation in der Neuzeit 1486 - 1806
von Peter Cl. Hartmann
Die Staufer. Herrscher und Reich
von Knut Görich
Der Dreissigjährige Krieg.
von Georg Schmidt
 
    
     
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