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Märkte im Mittelalter

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In dem Maße, wie sich Handel und Verkehr belebten, etwa seit der Jahrtausendwende, berichten die Quellen vereinzelt, dann immer häufiger vom Straßenbau durch kirchliche und weltliche Machthaber. Einige Straßen- und Brückenbauer wurden sogar heiliggesprochen. Zu dieser Zeit mußten die Wege und Straßen “geebnet” sein, auf denen schwere Lasten wie z.B. Steine für das blühende Baugewerbe transportiert werden mussten. Um Wagen und Räder zu schonen, wurden die Steine schon im Steinbruch zurechtgeschlagen. Mit dem entstandenen Schotter füllte man die Schlaglöcher des Weges. Obwohl das Straßen- und Brückennetz ständig ausgebaut wurde, konnten die Wege den steigenden Verkehr kaum bewältigen, außerdem mußte man für die Benutzung viel Zölle für Brücken, etc. bezahlen, was die Kosten gegenüber des Seewegs erhöhten.(Siehe die Fernhändler) So ist es kein Zufall, dass im Frühmittelalter die großen Ströme, der Rhein, die Donau, die Elbe, die wichtigsten Handelsstraßen waren, und dass aus den Friesen, einem seefahrenden Stamm, auch Händler hervorgingen, die neben den Fernkaufleuten aus der Levante, Italien, Spanien zu den aktivsten Händlern jener Zeit gehörten. Aber nicht nur die großen Ströme, auch Flüsse wie Mosel, Neckar, Weser und Saale wurden als Schiffswege für Handelszwecke genutzt, und da für die Ost-West-Verbindung vom Rhein zur Elbe keine großen Wasserstraßen zur Verfügung standen, dienten auch der Main sowie die Ruhr, Diemel, Oker, und Aller der Schifffahrt. Für den Transport zu Lande standen nur die zu Zeiten Karl des Großen entstandenen Heerstraßen zur Verfügung, deren Zahl den Bedürfnissen des Handels keineswegs ausreichte. Am wichtigsten waren die Handelsstraßen von der alten Römerstadt Köln quer durch Westfalen zu dem Erzbischofssitz Bremen sowie zu dem Handelsplatz Bardowiek im unteren Elbgebiet, ferner von Köln nach Mainz, u.a. die Klöster Corvey und Gandersheim, bzw. Fulda berührend, nach dem Harzgebiet und den Umschlag- und Stapelplätzen für die Slawengebiete, vor allem Magdeburg und Erfurt.
Vom 8.-10. Jahrhundert zeichneten sich Großregionen des Handels ab, die von Händlern verschiedener Herkunft versorgt wurden: Friesen und Skandinavier beherrschten die Handelswege von Nord- und Ostsee. Ihre mit Tuch, Pelzwerk, Bernstein oder mit Meersalz beladenen Schiffe gingen von Haithabu, Birka und anderen Küstenorten nach Hamburg, Bremen und Dorestad sowie rheinaufwärts bis nach Köln, Mainz und Straßburg. Der Orienthandel hingegen gelangte auf verschiedene Wegen nach Mitteleuropa. Eine wichtige Route führte von Süden über den Dnjepr, Kiew, Nowgorod nach Birka am Mälarsee oder über den Dnjestr und die Weichsel an die Ostsee. Ein weiterer Handelsweg zweigte von Kiew nach Westen ab und führte über Krakau und Prag bis nach Regensburg. Noch wichtiger war wohl die Verbindung zum Orient über das Mittelmeer, zu den italienischen Stadtstaaten. Die Arabieneinfälle scheinen auf dieser Südroute keine dauernde Unterbrechung des Warenstroms in beide Richtungen bewirkt haben. Für diesen Bereich erlangten die jüdischen und arabischen Händler eine Art Monopolstellung. Jüdische Kaufleute reisten ins Frankenreich, um Eunuchen, Sklaven, Textilien, Felle und Schwerter zu erwerben, und brachten ihrerseits Duftstoffe wie Moschus, Aloe, Kampfer und Zimt in den Westen. Pavia spielte eine besondere Rolle bei der Verbreitung orientalischer Waren, besonders von Gewürzen und Seide.
Obwohl die Orte, an denen der Handel betrieben wurden und die Handelsstraßen mit der Zeit oft wechselten, blieben die Regionen, bzw. Länder in denen bestimmte Produkte verkauft wurden, meistens bis in das ausgehende Mittelalter mit einer Art Monopolstellung für das Produkt belegt, so mußte es englische Wolle sein, obwohl anderswo auch Schafzucht betrieben wurde. Die Karte im Anhang zeigt die Großregion der Luxusgüter zur Zeit der Wikinger (9-12. Jahrhundert). Im Hochmittelalter wurde nicht mehr mit Sklaven gehandelt, sondern mit Leuten die ihre Schulden nicht zurückbezahlen konnten. Die Araber besorgten sich infolgedessen afrikanische Sklaven und entführten die Besatzung von sog. Seelenverkäufer (Schiffe die dem Untergang geweiht waren).


  
Lebensformen im Mittelalter (Gebundene Ausgabe)
von Arno Borst
Siehe auch:
Alltagsleben im Mittelalter.
von Otto Borst
Ritter, Mönch und Bauersleut. Eine unterhaltsame Geschichte des Mittelalters.
von Dieter Breuers
Das Mittelalter. Die Welt der Bauern, Bürger, Ritter und Mönche
von Dieter Hägermann
Bettler und Gaukler, Dirnen und Henker
von Franz Irsigler
 
    
     
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