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Von wichtigen Handelsstädten, Waren
und Wegen
Trotz Desinteresses am Straßenbau waren in den
frühmittelalterlichen Reichen die weltliche und geistliche Macht sowie die
Kaufleute an guten Verkehrsverbindungen interessiert; nur so ließen sich
Ordnung und Herrschaft aufrechterhalten, nur so waren Informationen und Waren zu
verbreiten. Krieger, Missionare und die mit Luxusgütern handelnden
Fernkaufleute kamen anfangs mit schmalen Wegen aus, über die Menschen und
Reittiere gehen konnten, so dass die alten Römerstraßen, wenn sie
nicht als Steinbruch benutzt oder sonstwie zerstört waren, weiter
verfielen. Die Wegverhältnisse waren, da sie nicht gepflegt wurden,
katastrophal und manch Reisender war schon gedient, wenn er sicher von einem
Ort zum anderen “reisen” konnte. Über die Wege im Mittelalter
weiß man trotzdem ziemlich wenig, da sie ihren Verlauf noch häufiger
als die Flüsse wechselten; es reichte schon, dass ein neuer Zoll erhoben
oder eine neue Brücke gebaut wurde, und vordem bedeutende Straßen
wurden wieder unter den Pflug genommen. Über Bäche war für
Fußgänger bestenfalls ein Balken gelegt, sonst durchwatete man sie,
wie auch die Furten von Flüssen. Hier musste man froh sein, wenn ein Seil
notdürftigen Halt bot. Denn das Wasser konnte den Passanten auch bis
über den Scheitel reichen. Bei Hochwasser bildeten diese Flüsse
unüberwindliche Hindernisse. Bau und Unterhaltung von Brücken jedoch
waren kostspielig und wurden meist erst im 10. Jahrhundert wieder
planmäßig gebaut, da bei hoher Frequentierung eine Stadt von dem
erhobenen Brückenzoll leben und gedeihen konnte (Zweibrücken,
Teufelsbrück, etc.). Die Einrichtung eines Fährbetriebs war nur
sinnvoll, wenn durch die Arbeit der Fährmann seine Familie ernähren
konnte.
Die “Straßen” genannten Wege
dürften im allgemeinen nicht mehr als vier bis fünf Meter breit
gewesen sein, so dass sich zwei Gefährten begegnen konnten.
Schlaglöcher wurden im Idealfall notdürftig mit Erde oder Reisig
aufgefüllt. Solche Wege hatten gegenüber den bei Regen
schlüpfrigen Römerstraßen sogar Vorteile: Sie waren weniger
frostempfindlich, leicht instandzuhalten und boten eisenbeschlagenen Zug und
Reittieren besseren Halt.
Straßen verliefen meistens nicht auf der
versumpften, von Flussschlingen durchzogenen Talsohle, weil hier bei jedem
Hochwasser Gefahr und Schaden für entwaige Kunstbauten drohte. Zudem
fürchtete man die schlechte Luft: Man wusste zwar nicht, dass die
Mücken die Malaria übertrugen, doch blieb man den stehenden
Gewässern fern. Auch deshalb wurden Straßen oberhalb der Talsohle
bzw. am Fuß von Gebirgen angelegt, z.B. am Fuß des Schwarzwalds,
Vogesen und Appenin (Via Emilia Piacenza – Rimini), oder der uralte, schon
vom Karl dem Großen genutzte Hell(Salz)weg, die spätere Reichs- und
Bundesstraße 1, am Fuße des Haarstranges, weit oberhalb des
versumpften Lippetals. Hier folgen in die Zeit der fränkischen Eroberung
zurückreichende Etappenorte aneinander wie die Perlen an einer Schnur, im
Abstand von höchsten einer Tagesreise: Im 9. Jahrhundert konnten der
reisende König und seine Beauftragten, später alle Reisenden sicher
sein, in Steele, Bochum, Dortmund, Wickede, Werl, Soest, Erwitte, usf.
Unterkunftsmöglichkeit, Werkstätten und Vorräte, vor allem aber
Trinkwasser für sich und ihr Reittier vorzufinden.
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