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Märkte im Mittelalter

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Aus Lebendiges Mittelalter/F. Irsigler und A. Lassota Gaukler und Spielleute Seite 198

Obwohl man den Fremden und unehrbaren Leuten misstraute, so hatten sie auch den Reiz des Anrüchigen. Jedenfalls kamen die Leute zusammen, sobald sich die Kunde verbreitete, dass ein neuer Schausteller seine Künste auf dem Markte darbiete. 1343 lockte z.B. ein kunstfertiger Krüppel aus dem Oberland viel Publikum zum Rathaus von Köln. Unter den Gaddemen, bei den Tuchverkaufsständen, verblüffte er seine Zuschauer:
Er war gelähmt an beiden Händen und entwickelte mit den Füßen eine Geschicklichkeit, die mancher andere seinen Fingern wünschen mochte. Mit den Zehen spielte er Schach; er nahm einen kleinen Löffel zwischen die Zehen und warf aus einer bestimmten Entfernung jede Figur vom Schachbrett, welche man wünschen mochte; mit einem scharfen Messer traf er jedes Mal einen bestimmten Punkt in einem Brett, welches einen oder mehrere Schritte vor ihm stand. Auf seinem Kopf setzte er einen Humpen, und ohne einen Tropfen zu vergießen, schenkte er denselben mit seinem Fuße voll Wein, und mit bewundernswerter Fertigkeit fädelte er einen Faden in eine Nadel, machte den nötigen Knoten und fertigte irgend eine beliebige Naht.
Die Quelle macht deutlich, dass bei solchen Attraktionen die Leute auf den Markt kamen und ,vielleicht noch ganz angeregt von der Darbietung, zum Kauf verführt wurden.
Gebildete, die kein Amt und keine Stellung bekommen hatten oder nicht im Schoß der Kirche Aufnahme finden konnten, wurde fahrende Scholare oder Vaganten. Vaganten waren lateinisch schreibende Dichter, die sich freilich für etwas besseres als die Schauspieltruppen hielten, da sie nur für den kleinen Kreis der Gebildeten schrieben. Doch hatten auch sie keinen festen Wohnsitz und mußten oft, um nicht zu verhungern, auf den Geschmack und die Sprache des Volkes eingehen. Die Vaganten erzählten auch Märchen und Geschichten und lasen die Anschläge am Rathaus oder der Kirche vor. Auch fertigten sie kunstvolle Briefe an und verkauften selbstkopierte Bücher.

Mochten die Fahrenden das Leben auch von einer freieren Seite her kennenlernen und vielleicht sogar genießen, mochten sie ungebunden sein und die Enge verlassen haben, in der so viele Stadtmenschen ihr Leben lang verharrten, der Preis, den sie für diese Freiheit zahlten, war eine Existenz, die gekennzeichnet war von Unstetigkeit der Verhältnisse und beträchtlicher Gefährdung.
Die Fahrenden sorgten für die Unterhaltung und die Verbreitung von Neuigkeiten und da sie die engen Stadtmauern oder das einfache Leben des Bauern verließen, sorgten sie bei diesen Sesshaften für eine gewisse Faszination, wegen ihres “freien” Lebens.

  
Das Mittelalter. Geschichte im Überblick (Taschenbuch)
von Ulrich Knefelkamp
Siehe auch:
Proseminar Geschichte. Mittelalter. (Uni-Taschenbücher M (Reihenkürzel: UTB), (TBA-Kürzel: 0955))
von Hans-Werner Goetz
Geschichte der Antike. Ein Studienbuch
von Hans-Joachim Gehrke
Einführung in das Studium der Neueren Geschichte
von Ernst Opgenoorth
Arbeitsbuch Geschichte: Arbeitsbuch Geschichte. Mittelalter. Repetitorium. 3. bis 16. Jahrhundert.
von Eberhard Büssem
 
    
     
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