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Märkte im Mittelalter

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Die Fahrenden:
Die mittelalterliche Gesellschaft war eine kooperative Gesellschaft, die keinen Individualismus kannte. Der Mensch wurde in einen bestimmten Geburtsstand hineingeboren und lebten in diesem genossenschaftlichen Verband sein Leben lang.
Daneben gab es jedoch auch Randgruppen, wie z.B. die Stadtbewohner, die unehrbare Berufe ausübten (Henker, Abdecker, Totengräber, Türmer, Bader, Müller, etc.). Dazu gehörten natürlich auch die Verfemten, Ketzer und unheilbar Kranken.
Die größte Gruppe waren aber die sog. Fahrenden oder fahrenden Leute. Sie waren heimatlos und nicht sesshaft. Letzteres war ihr größtes Manko, da nach dem traditionellen Rechtverständnisses das Haus Frieden und Schutz bot. Wer keine Wohnung hatte, war ohne Recht vor dem Gesetz, und auch die Kirche versagte ihnen die Fürsorge. Die Fahrenden wurden so auf die Stufe mit den kriminellen und halbkriminellen, wie Dieben, Dirnen, Bettlern und Landstreichern, gestellt.
Zu den Fahrenden gehörten Spielleute, Vaganten, Wanderprediger und Wanderärzte.
Die Spielleute zogen von Fest zu Fest und waren auf den Burgen der Adligen genauso willkommen geheißen, wie auf Jahrmärkten und Hochzeiten. Sie waren die Unterhalter, Musikanten und Schauspieler, die zum Tanz aufspielten und für Kurzweil sorgten. Für die Dauer des Festes waren sie gern gesehen, man gab ihnen Speis und Trank, Unterkunft, (getragene) Kleider und Geld. Danach zogen die Bänkelsänger, Gaukler und Wahrsager weiter und irrten ohne Versorgung und Einkünfte durch die Gegend, bis sie ihr nächstes Engagement hatten. Bei wirtschaftlichen Krisen, bei Alter oder Krankheit waren sie die Ersten, die davon existentiell betroffen waren, da sie keine Unterstützung von der Kirche bekamen oder in Gilden (siehe Kaufleute) organisiert waren. Die fahrenden Leute waren von der Wohltätigkeit der Sesshaften angewiesen. Bekamen sie nichts, mussten sie verhungern. Befreiung aus dieser Lage war so gut wie unmöglich, da die Kinder von unehrbaren Leuten, nur unehrbare Berufe ergreifen konnten und die Leute, die wegen eines Vergehens ihre Stadt verlassen mussten, die Gruppe der Unehrbaren vergrößerten. Da aber die Städte daran interessiert waren, dass das Volk amüsiert war, stellten sie auch einige Musiker und Artisten fest an und erließen Gesetze, die z.B. regelten, wie viele Musiker auf einer Hochzeit mindestens zu spielen hatten. Jahrmarkt, Messe, Kirchenweihfest und ähnliche Gründe zum Feiern boten für die Bevölkerung eine willkommende Unterbrechung ihres oft schweren Alltags, der langen Arbeitstage, Gelegenheit zum Essen, Trinken, Tanzen und vor allem zum Schauen, Hören, Lustigsein, zur Befriedigung der Neugier, der Sucht nach dem Aufregenden, dem Besonderen, Unerhörtem, noch nie Gesehenem. Kurz, alles das, was heute Rundfunk, Telefon und vor allen Dingen das Fernsehen abdecken. Deshalb brauchten die Leute auch überall Schausteller, ob in den Burgen oder den kleinen Dörfern, die den Bewohnern aus der gewohnten Monotonie halfen. Zu den Unterhaltungskünstlern zählten die Musiker, Possenreißer, Zwerge, Pfeifer, Trompeter, welche alle häufig feste Anstellung am Hof oder der Stadt fanden und auch die Fahrenden “ jene bunte Gesellschaft von Gauklern, Tierbändigern, Taschenspielern, Seiltänzern und Akrobaten, Sängern und Musikanten, die ihr Gewerbe im Herumziehen von Ort zu Ort betrieben.”
Von einem Auftritt der Fahrenden berichtet folgende Quelle:
Da erschienen sie mit tanzenden Bären, Hunden und Ziegen, Affen und Murmeltieren, liefen auf dem Seil, schlugen Purzelbäume nach vorwärts und rückwärts, warfen Schwerter und Messer und stürzten sich unverletzt auf deren Spitzen und Schneiden, verschlangen Feuer und zerkauten Steine, übten Taschenspielerkünste unter Hut und Mantel, mit Zauberbechern und Ketten, ließen Puppen miteinander fechten, schmetterten wie die Nachtigall, schrien wie der Pfau, pfiffen wie das Reh, rangen und tanzten bei dem Klang der Doppelflöte, hüpften in grotesken Tiermasken umher, führten rohe, theatralische Szenen auf, zankten sich in komischen Streitgesprächen, parodierten weltliche und geistliche Stände und trieben alle jene tollen und derben Possen, an denen sich einst der kranke liebe Gott in Arras gesund gelacht hat. Dazu erscholl allerart Musik, das Lied des Sängers und das Gekreisch des Marktschreiers....

  
Geschichte des Mittelalters (Gebundene Ausgabe)
von Georg Weber,
Alfred Baldamus
Sonstige Artikel:
Oh! What a Girl! [Single]
von Simply Red
Need for Speed Carbon
von Electronic Arts
Langenscheidt Sprachkalender: Langenscheidt Sprachkalender A Joke a Day 2008 (Unbekannter Einband)
von Gabriele Docherty
 
    
     
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