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Märkte im Mittelalter

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Bis zum Ende des 12. Jahrhundert hatte sich die Idee der Zünfte von Worms, Trier und Würzburg aus in allen deutschen Städten verbreitet. Zunft kam von dem Wort “ziemen” und bedeutete zu anfangs “was sich schickt”, später hatte es die Bedeutung “Ordnung, nach der eine Gesellschaft lebt”. Es war tatsächlich eine strenge Ordnung, der sich die Handwerker unterwarfen. Sie beeinflußte ihr Leben, da der Knabe bei einem Meister seine Lehre antrat, bis zu seinem Tode. Sie legte ihnen in der Ausübung ihrer Tätigkeit strenge Fesseln an, sie griff in ihr Familienleben ein. Aber diese Ordnung half den Handwerkern auch, sich einen gewichtigen Platz im Leben der Stadt zu erkämpfen und sich neben den übrigen Ständen, neben den alten Geschlechtern, den Kaufherrn und der Geistlichkeit zu behaupten. Der Rat der Stadt regelte nicht nur Zuzug und Unterbringung der Handwerker, sondern wies ihnen auch ganz bestimmte Aufgaben zu, um die Versorgung der Bürger mit lebensnotwendigen Gütern auch in Notzeiten zu sichern. Eigene Ämter hatten die Tätigkeit der Handwerker zu überwachen und zu kontrollieren, damit es nicht etwa bei einem unerwarteten Engpass in der Lieferung der Rohprodukte zu einem Produktionsstillstand kam. Als die Zünfte aufzublühen begannen, engagierten sich die Handwerksmeister für den Rat. Sie garantierten die Versorgung der Bürgerschaft und übernahmen auch eine Art gewerbepolizeilicher Aufsicht. Der Rat seinerseits verpflichtete sich, nur solchen die Ausübung des Handwerks des Gewerbes zu gestatten, die Mitglieder der Zunft waren. Der Rat der Stadt konnte das Zunftrecht jederzeit entziehen oder fremde Handwerker auf den Markt lassen, um die Zunftvorsteher unter Druck zu setzen. So geschah es 1264 in Erfurt, als den Bäckern und Fleischern das Zunftrecht entzogen wurde.
Innerhalb der Zünfte selbst herrschte ein strenges Regiment. Sorgfältig wachten die Mitglieder darüber, dass keiner aus ihren Reihen den anderen überflügelte. Von möglichst gleicher Größe sollten die Betriebe sein. Erkrankte ein Meister, so vermittelte die Zunft ihm den nächsten vorbeikommenden Wandergesellen, keinesfalls aber durfte er einen Handwerker abwerben.
Ähnlich verhielt es sich mit günstigen Einkaufs- oder Verkaufsmöglichkeiten. Auch hier standen die Interessen der Gemeinschaft über den des Einzelnen. Entdeckte ein Meister eine günstige Einkaufsquelle, musste er es in der Zunft bekanntgeben, damit sich auch die anderen daran beteiligen konnten. Wer zu einem auswärtigen Markt oder einer Messe fuhr, hatte den anderen die Möglichkeit zu bieten, sich mit ihren Erzeugnissen an dem Verkauf zu beteiligen. Auch verkaufsfördernde Maßnahmen, wie Werbung, waren meist verboten. So mussten die Hutmacher von Köln eine Mark Strafe in die Zunftkasse zahlen, wenn sie ihre Erzeugnisse außerhalb der Halle vor ihrer Tür aufhängten. Fünf Mark mussten die Maler bezahlen, wenn sie einem Zunftgenossen die Kunden abspenstig machten.
Die Spezialisierung der einzelnen Handwerksberufe war sehr groß, so gab es, in größeren Städten, allein im metallverarbeiteten Gewerbe über 50 verschiedene Berufe (Grobschmied, Pflugschmied, Schiffsschmied, Hufschmied, Neberschmied, Dengler, Pfannenschmied, Scheibenmacher, Glockengießer, Ofentürer, Armbruster, Erzgießer, Blechschmied, Pfeilschäfter, Gelbgießer, Kesselschmied, Büchsenschmied, Flaschner, Kesselflicker, Sporenmacher, Klempner, Kupferschmied, Schmelzer, Geschmeidemacher, Waffenschmied, Nagelschmied, Goldschmied, Harnischmacher, Drahtzieher, Goldschläger, Panzerschmied, Kettenmacher, Rauchfässerer, Helmschmied, Nadelmacher, Heftelmacher, Halsberger, Feilenhauer, Schellenmacher, Beingewänder, Dreher, Rohrgießer, Schwertmann, Beckenschläger, Münzer, Schwertfeger, Messingschläger, Zinngießer, Klingenschmied, Kannengießer, Seigerschmied).
In den meisten Städten gab es natürlich nicht so viele verschiedene Berufe in einer Sparte, doch gab es nur einen Meister in der Stadt, der sich beispielsweise Glockengießer nannte, so durfte ihm kein anderer Handwerker “in das Handwerk pfuschen”, d.h. die anderen Schmiede mußten sich ebenfalls spezialisieren.
  
Einführung in die Geschichte des Mittelalters (Beck Studium) (Taschenbuch)
von Hartmut Boockmann
Siehe auch:
Mittelalterliche Geschichte studieren
von Martina Hartmann
Proseminar Geschichte. Mittelalter. (Uni-Taschenbücher M (Reihenkürzel: UTB), (TBA-Kürzel: 0955))
von Hans-Werner Goetz
Kleines Lexikon des Mittelalters. Von Adel bis Zunft.
von Wilhelm Volkert
Werkzeug des Historikers. Eine Einführung in die Historischen Hilfswissenschaften
von Ahasver von Brandt
 
    
     
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