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Märkte im Mittelalter

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Die Schicht der Bauern war nur klein und erst durch die Arbeitsteilung zwischen Stadt und Land ist es sinnvoll, vom Bauern statt von der ländlichen Bevölkerung zu sprechen, da es vielmehr die niederen Knechte und Hörigen gab. In der Mitte des 11. Jahrhunderts gehörten 75%-80% der Gesamtbevölkerung der ländlichen Bevölkerung an. Der freie Bauer lebte vornehmlich in Tirol, Westfalen und in den Kolonisationsgebieten im Osten oder in den Bannmeilen der freien “Großstädte” .
Viele aus der armen Landbevölkerung suchten den sozialen Aufstieg in der Stadt, denn der Bauer blieb immer arm, der Handwerker aber konnte zu gewissen Wohlstand kommen. Es kam zu einer Landflucht, da nach dem Gesetz “Stadtluft macht frei, nach Jahr und Tag” der Flüchtling in die Stadtgemeinschaft aufgenommen wurde. Dieses Gesetz war für das Wachstum der Städte sehr wichtig, Der Grundherr konnte gegen diese Landflucht nur schwer etwas tun und musste, wenn er nicht alle Hintersassen verlieren wollte, seinen Hörigen mehr Freiheiten gewähren und so kam es im 12. aber vor allen Dingen im 13. Jahrhundert zur Lockerung der Villikationsverfassung, welche die Frondienste festlegte.

Die Handwerker:
Handwerker und deren Zünfte spielten in der mittelalterlichen Stadt eine gewichtige Rolle, eine fast ebenso bedeutsame wie die Kaufleute; denn ohne sie wären die Städte kaum zu ihrem oft beachtlichen Wohlstand gelangt.
Keineswegs aber entstand das Handwerk erst im Gefüge der Stadt. Es war weit älter, und hatte seinen Ursprung bei den abgabepflichtigen Bauern, die für ihre Grundherrschaft arbeiteten. Diese Bauern mußten oft genug handwerkliche Erzeugnisse wie Tuche oder Geräte als Abgaben an den Herrn liefern oder aber beim Bauen oder der Zimmermannsarbeit helfen. Andere freie Bauern wieder übernahmen die handwerklichen Arbeiten für die Dorfgemeinschaft und wurden dafür mit Naturalien versorgt. Es gab auch umherziehende meist unfreie Nachkommen von Fronhofsleuten, die in den Siedlungen und an den Höfen für die Bauern arbeiteten. Sie waren alle eng eingespannt in die alte bäuerliche Gemeinschaftsordnung. Meist bestand ihr Lohn nur in lebensnotwendigen Naturalien; gegen Geld arbeitete selten einer.
Diese Jahrhunderte alte Ordnung änderte sich mit dem Aufblühen der Städte. Wo gebaut wurde, brauchte man auch Handwerker. Die Märkte lockten, weil sich da ihre Erzeugnisse wohlfeil absetzen ließen und nicht mehr gegen leicht verderbliche Naturalien eingetauscht werden mußten. Schon das waren Gründe genug, die zu einer Ansiedlung in den jungen Städten lockten. Dazu kam noch ein sehr gewichtiger: “Stadtluft macht frei!”. Viele bäuerliche Handwerker waren unfrei und so war es für sie natürlich eine Verlockung, neben der guten Verdienstmöglichkeit auch noch die persönliche Freiheit zu erlangen.
Die Städte unterstützten den Zuzug der Handwerker wohlwollend, sorgten aber dafür, dass er sich in Grenzen hielt.
Die Betriebsgröße von Handwerksbetrieben und ihre Zahl regelten die Zünfte und der Rat der Stadt, welche versuchten, die Nachfragen nicht ganz zu befriedigen, um den Preis nicht zu verderben. Die Zünfte waren ein kartellähnlicher Zusammenschluss selbständiger Meister des gleichen Berufes, die eine strikte Kontrolle über den Arbeitsmarkt, der Warenproduktion und der Qualität ausübten. Ihr Ziel war es, den Handwerkern eine sichere Existenz zu gewährleisten, dafür mussten sie für Zunftzwang und Zulassungsbeschränkungen sorgen. Der Monopolcharakter der Zünfte nützte zwar den Herstellern, ging aber zu Lasten des Verbrauchers. Es fehlte ein freier Markt und innerstädtische Konkurrenz. Als Organisationsformen leisteten die Zünfte zur militärischen Sicherung der Stadt notwendige Dienste und erfüllten in der Ausbildung des Nachwuchses wie auch in der Wahrnehmung sozialer Aufgaben eine wichtige Funktion. Gleichwohl darf nicht übersehen werden, dass sich in den Zünften seit dem 16. Jahrhundert eine Fortschrittsfeindlichkeit breit machte, die zur Erstarrung führte. Diese Aspekte sollen nicht unbeachtet bleiben, wenn man an die aus den Zünften Ausgeschlossenen denkt, die in eine unterständische Schicht absinken mußten. (Siehe die Fahrenden).
  
Lebensformen im Mittelalter (Gebundene Ausgabe)
von Arno Borst
Siehe auch:
Alltagsleben im Mittelalter.
von Otto Borst
Ritter, Mönch und Bauersleut. Eine unterhaltsame Geschichte des Mittelalters.
von Dieter Breuers
Das Mittelalter. Die Welt der Bauern, Bürger, Ritter und Mönche
von Dieter Hägermann
Bettler und Gaukler, Dirnen und Henker
von Franz Irsigler
 
    
     
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