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Märkte im Mittelalter

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Die reichen und erfolgreichen Händler wurden zu den Gildenvertretern gewählt, heirateten sich oft in die Familien der Ministerialen und Stadträte ein und bildeten so die Schicht des an Macht und Einfluss gewinnenden Patriziats. Die Patrizierfamilien, deren Anzahl Größe und Reichtum der Stadt bezeugten, hatten auch bedeutenden Grundbesitz in der Stadt und der Umgebung. Nur die reichen Geschlechter der Stadt hatten im Stadtrat Macht und Stimme. Die Patrizier verfügten über ihren Grundbesitz oft über feste Verkaufsstände, Mühlen, Back-, Brau- und Schlachthäuser. Auch vermischten sie sich gern mit dem verarmenden Landadel, um mehr Einfluss auf das politische Geschehen nehmen zu können.
Im 14. Jahrhundert änderte sich der Beruf des Händlers. Die reichen Patrizier fuhren nun nicht mehr bei Wind und Wetter durch Europa, sondern leiteten ihr Geschäft von der Schreibstube aus und es wurde unüblich höhere Beträge bar zu bezahlen, bzw. in Gold und Silber, sondern in Wechseln. Außerdem entwickelte sich der Beruf des Lastfuhrwerkunternehmers, der einen Lastkarren besaß und ihn nicht mehr mit eigenen Waren füllte, sondern ihn nach Auftrag belud und zu einem bestimmten Ziel brachte, ohne am Gewinn beteiligt zu sein. Dies erforderte für die deutschen Kaufleute den Aufbau sog. Kontore. Das Kontor, welches nicht nur in dem hanseatischen Einflußbereich gebaut wurde, sondern auch in Italien, war ein großes Handelshaus für deutsche Kaufleute. Im Kontor wurden Waren gelagert, Geldgeschäfte getätigt und es war Herberge für die Kaufleute oder deren Angestellte, die dort wichtige Informationen austauschten. Reiche Geschäftsleute konnten es sich leisten einen Lageristen in einem Kontor zu beherbergen, der sie dann in ihrer Heimatstadt über seine Lagerbestände und die Preise informierte.


Leute auf dem Markt:

Die Krämer:
Hatten die Fernkaufleute auch einen gewichtigen Anteil an der Entwicklung der frühen Stadt, so darf man keineswegs die Krämer übersehen, die Kleinhändler, die zwischen dem Fernhändler oder dem Erzeuger und dem Verbraucher standen und denen die unmittelbare Versorgung der Stadt oblag. Mit der Ausdehnung und dem Wachsen der Stadt wuchs auch ihre Bedeutung. Etwa seit dem 12. Jahrhundert setzte sich auch unter den Krämern eine genossenschaftliche Ordnung durch. Ähnlich wie die Fernkaufleute schlossen sie sich in Gilden zusammen, und oft genug durften nur die Mitglieder dieser Krämergilden den Kleinhandel in einer Stadt ausüben. Aber die Konkurrenz der Bauern und Handwerker, die nebenberuflich ihre Erzeugnisse absetzten, war nicht zu verachten. In kleinen Städten verkauften die Krämer im bunten Durcheinander alles, wonach Bedarf herrschte. Je größer die Stadt, um so differenzierter die Krämerbetriebe. So gab es unter anderem folgende Spezialhändler: Brüchler, Butterleute, Bettlakenkrämer, Eiermannen, Eisenkrämer, Eppelmannen, Essigmannen, Federkrämer, Fischmenger, Fleischmenger, Fütterer, Ganser, Glaskrämer, Habermannen, Häutekäufer, Heringer, Käskrämer, Kohlenmesser, Kornmannen, Krämper, Kräutermannen, Lakenkrämer, Ledermannen, Leinwandkrämer, Lichtemannen, Marktender, Mehlmannen, Ofentürer, Obster, Pfeifenkrämer, Salzer, Seidenkrämer, Stahlmenger, Pfändler, Tuchgewänder, Vogler, Weinhändler, Weinkäufer, Würzkrämer.
Zu den ansässigen Krämern und Handwerkern gesellten sich dann noch die Kleinsthändler, bescheidene Leute (meist Neubürger), bei denen der Umsatz kaum für das tägliche Brot reichte, vergleichbar den Hausierern, die heute gelegentlich von Haus zu Haus ziehen. Es waren die Höker, Merzler, Pfragner, Tratschler, Gängler, Hucker, Hadeler, Kremper oder Wannenkrämer . Letztere hatten ihren Namen, wegen der flachen Wannen, die sie wie Bauchläden umgehängt trugen und auf denen sie ihre Waren ausbreiteten.

  
Proseminar Geschichte. Mittelalter. (Uni-Taschenbücher M (Reihenkürzel: UTB), (TBA-Kürzel: 0955)) (Taschenbuch)
von Hans-Werner Goetz
Siehe auch:
Werkzeug des Historikers. Eine Einführung in die Historischen Hilfswissenschaften
von Ahasver von Brandt
Einführung in das Studium der Neueren Geschichte
von Ernst Opgenoorth
Mittelalterliche Geschichte studieren
von Martina Hartmann
Einführung in das Studium der Alten Geschichte
von Rosmarie Günther
 
    
     
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