Aufdeckung von Todesmythen durch psychedelische Drogen
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Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: Die Begegnung mit dem Tod (Broschiert) Die Begegnung mit dem Tod (23.06.2005)
Unter der Begegnung mit dem Tod stellen wir uns Berichte oder auch Theorien über das Ableben und das Totenreich vor. Da Stan Grof und Joan Halifax aber über Totenmythen nur randläufig referieren, ist ihr Buchtitel eine Fehlbesetzung.
Besonders am Ende des Buches tragen sie dann aber doch noch ihrem Buchtitel Rechnung und referieren Berichte aus dem Ägyptischen und Tibetanischen Totenbuch. Die Theoretischen Betrachtungen zum Tod von Sigmund Freud, dem Vater der Psychoanalyse, von C.G.Jung und von Heidegger, dem Existenzphilosophen runden das Buch ab.
Im Zentrum der Erörterung von Grof stehen Berichte über seine LSD-Therapien an Krebspatienten. Eigentlich müßte ein passender Buchtitel „Psychodelisch Drogentherapie und die Aufdeckung von Todesmythen in Trancezuständen" lauten. Grof schildert einige Fallbeispiele aus seiner therapeutischen Praxis. Krebspatienten wurde kurz vor ihrem Tod eine Drogentherapie genehmigt um ihre psychischen und psychosomatischen Schmerzen zu lindern. Nach dem LSD verabreicht wurde, glitten die Patienten in einen Tranczustand, in dem sie häufig ihre eigene Geburt oder ihren Tod erlebten. Generell sind Grofs Ergebnis den Ergebnissen der Primärtherapie von Artur Janov sehr ähnlich. Durch beide Therapieformen wird das Erleben und Fühlen gestärkt. Bei Grof ist der Therapeut völlig passiv und beobachtet nur die Wirkung der Droge. Bei der Primärtherapie wird der Klient zu seinen Kindheitserinnerungen ohne Drogen zurückgeführt.
Menschen die dem Tode nahe kommen, so beschreibt Grof, lernen es diesen schließlich hinzunehmen. Durch das Abenteurer des Bewußtseins während der Drogensitzungen erfolgt eine bejahende Hinnahme des Todes. Grof plädiert für eine interdisziplinäre Forschungsmethode. Medizin, Psychologie und Religion vereinigen sich in seiner holistischen Weltsicht. Da Musik tiefliegende Emotionen aktiviert, wird sie bei seinen Drogensitzungen eingesetzt. Wichtiger als das Thema Tod scheint in Grofs Buch allerdings das Thema Geburt zu sein. Grof ist ein Vorreiter der modernen Pränatalmedizin. In seiner Therapie erleben Patienten perinatale Phasen ihrer eigenen Geburt. Die Geburtstraumen werden wieder erlebt. Die Bedingungen des Embryos waren ideal. Die Geburt selbst ist eine Art Lebensbedrohung. Man erleidet Todesqualen aber auch extatische Momente. Sexuelle Erregung bei der Austreibung aus dem Mutterleib sind keine Seltenheit, aber meist überwiegen negative Erfahrungen wie das Schlucken von Fruchtwasser. Viele Neugeborene haben gleich nach der Geburt das Verlangen nach der Rückkehr in den Mutterleib.
Im Gegensatz zur Geburt, welche ambivalent erlebt wird, wird der Tod bei Grof's Experimenten durchweg positiv erlebt. Patienten machten die entropische Erfahrung des Eins-Seins mit dem Universum. Von Visionen eines Lichtwesens wird berichtet. Die Wertehirarchie verändert sich nach solchen Todeserlebnissen. Von nun an ist eine Existenz jenseits des Todes durchaus möglich. Mystik, Metaphysik und Gott erhalten wieder ihre dominante Stellung wie in archaischen Kulturen.
Auffällig bei den LSD-Therapien war, daß starke Neurotiker durch den Drogeneinfluß völlig aus ihrem emotionalen Haushalt geworfen wurden. Urerlebnisse sind normalerweise im Urschmerzbehälter gesammelt. Durch Spannung wird der Neurotiker daran gehindert seine Traumen aus dem Säuglingsalter zu fühlen. Drogen schwächen die Abwehrkräfte und nun strömen alle Erinnerungen und Schmerzen auf einmal über uns herein.
Dieser Ansturm der Urschmerzen überfordert das menschliche Selbst. Hier liegt nun der Vorteil der Primärtheorie. Bei Janov wird der Urschmerz Schicht für Schicht abgetragen. So können Erlebnisse erfolgreich integriert werden. Andererseits scheitern menschliche Therapietricks oft bei starken Neurotikern. Ihre Abwehrmauer ist zu dick und kann deswegen vielleicht nur mit Drogen niedergerissen werden. Dieses Buch, längst ein Klassiker der Psychotherapie, ist ein Muß für jeden Mediziner und Psychologen, aber auch eine Bereicherung für Laien. Wer allerdings nach einem esoterischen Werk Ausschau hält, findet bei Grof nicht die erhofften Totenrituale, Todesmythen oder Todeserlebnisse.
Bernhard Peter
Deutsche Gesellschaft für Psychohistorie
Intact
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 27. Juni 2005
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